Von Stommeln nach Harlingen – #Rauszeit2018

Das Jahr 2018 hatte begonnen, wieder verfolge ich die vielen Berichte der „Rapha Festive 500“, wieder hab ich nicht mal einen Bruchteil dieser Herausforderung. Wie gerne würde ich den Festive 500 Patch auch mal in den Händen halten. Einzige Ausrede, mir fehlt mir wie jedes Jahr die Zeit. Vielleicht ist es mir auch nur zu kalt ;-). Man weiß es nicht. Aber egal, in der Zeit habe ich eine Reihe von Video’s mehrfach geschaut, bei denen die 500km in drei Etappen zurückgelegt wurden. Die Strecken sind so schön, da hat sich der Gedanke bei mir festgesetzt, sie auch selbst mal abzufahren. Wenn sich eine Woche Zeit findet wird es auf jeden Fall ein Abenteuer, mit vielen Orten die es zu entdecken gilt.

Nach der Familienurlaubsplanung öffnete sich das Zeitfenster für Ende Juli, in dem 5-6 Tage generell möglich sind. Also nicht nur eine Tour an Hollands Küste (ca.500km) sondern eine Tour beginnend von Köln aus. Auf der Suche nach möglichen Routen fand ich den Strava Group Event „Race around the Netherlands“ der einen gpx Track mit ca. 1200km anbot. Die Idee war einfach aus Köln zu starten und auf dem Track soweit zu fahren wie Lust und Laune da ist. Wenn alles klappt, könnte man sogar von Groningen nach Köln zurück fahren.

Mitte Juli befand ich mit am Höhepunkt der Vorfreude, die Vorbereitung war in vollem Gange und einige Fragen waren auch noch offen. Reicht ein Schlafsack mit Isomatte aus oder brauche ich doch ein Zelt. Kann man Wild Campen oder muss man Campingplätze nutzen. Eine kurze Google Befragung sagt, Wild Campen ist in den Niederlanden keine gute Idee. Kurzerhand wurde ein Großversender beauftragt mir ein Bivvy zuzusenden.

Wie immer bei solchen Vorhaben konnte ich vor Hibbeligkeit die Nächte vor dem Start nicht wirklich schlafen. Komisch diese Vorfreude und der Bammel vor dem Ungewissen. Wird das Wetter halten, schaffe ich die geplanten 220km pro Tag um die Runde voll zu machen, wo werde ich schlafen, Ohje…

1 Etappe

Auch stand im Raum, ob ich direkt am Samstag losmache oder erst Sonntag. Die vielen schönen Gespräche, die Kinder und das leckere Essen veranlassten mich, dann doch erst Sonntagvormittag los zu fahren. Die ersten Kilometer waren mit komoot geplant, da ich ja erst auf den „Race around the Netherlands“ Track stoßen musste. Es klappte sehr gut, wenig Hauptstraßen, schöne abgelegene Wirtschaftswege, Forstwege und auch schon beginnend abgetrennte Radwege.

Das ich in den Niederlanden angekommen war, merkte ich dann beim Besuch einer Frittenbude in Maasbracht, schön frittiert und reichlich majo ;-).

Viel schöne Strecke, schöne Radwege, schöne Landschaften, viele Bauerhöfe und noch mehr Päuschen später ist die Luft für den Tag raus. Die Beine werden langsam schwer und ich beschloss mir einen Campingplatz zu suchen. Kurzerhand Google Maps befragt und schon gehts los in Richtig Mispeleind.

Als ich eintraf stelle sich raus, dass es ein Bauerhof mit großer Wiese ist. Abseits gelegen mit viel Patz für Wohnmobile und Anhänger oder auch Zelte. Der Bivvy Aufbau klappte wunderbar fix. Anschließend noch schnell geduscht und welch ein Traum der Eismann bringt das Abendessen. Welch ein erster Tag, Yeahhh. Was’n Spaß.

2 Etappe

Am Morgen gegen 6Uhr werde ich wach. Der offene Bivvy (Nur das Mückennetz war geschlossen) macht sich prächtig. Es ist herrlich ruhig. Fix ist alles eingepackt und es geht weiter. Auf dem Track angekommen sehe ich den ersten Bäcker, bei dem ich mich stärken kann. Ein Kaffee und ein paar Rosinenbrötchen später geht es weiter. Für den Tag peile ich Vlissingen als Tagesziel an.

Der Tag wird ziemlich heiß und die Kilometer ziehen sich. Am späten Nachmittag erreiche ich die Küste und fahre an einem großen Hafengebiet vorbei. Tausende von Autos warten auf den Weitertransport und riesige Offshore Plattformen warten auf ihren Einsatz in der Nordsee. Kurz vor Vlissingen ist ein schöner kleiner Zeltplatz, der mich leider nicht aufnimmt. Das war damals sehr schade, da gefühlt überall dort Platz war und die nette Dame nur keine Lust hatte die paar Euros von mir zu kassieren. Der nächste Platz wäre auch voll und ich bekam etwas Bammel, dass ich nichts mehr finden würde. Witziger Weise sah ich einen Platz über Google Maps, ein alter Bauernhof, der die besten Tage schon hinter sich hatte. Überhaupt nicht ausgeschildet, auf dem Hinterhof der neben Garagen mit reichlich Altmetall, sind dann einige Plätze. Hier werde ich fündig und lerne viele nette Leute kennen, die sehr an meinen Reiseplänen interessiert sind. Nachdem ich das Zelt aufgebaut hatte luden Sie mich zum Abendbrot ein und der Tag wurde mit vielen interessanten Gesprächen beendet.

3 Etappe

Am nächsten Tag es ist wieder ziemlich früh. Ich wache auf und muss feststellen, dass das Hinterrad die Luft verloren hat. Na ja halb so wild, kurzerhand wird der Schlauch gewechselt. Die nette Gesellschaft, die ich am Abend kennengelernt habe, läd mich noch zum Frühstück ein und der Tag beginnt schön langsam. Was n schöner Zeltplatz, klein, alt aber der absolute Hit.

Das nächste Etappenziel ist Rotterdam über Inseln und Halbinseln von Zeeland. Die riesigen Gezeitenkraftwerke sind ein Highlight. Ich hatte sie ja schon in den Fesive 500 Videos in den YouTube Kanal von fernwee.cc gesehen. Im Verlauf des Tages merke ich, dass der Gegenwind versucht das Tagesziel zu verschieben und die Zähne werden zusammengebissen. Böse kann man Ihm allerdings nicht sein. Bei Tagesdurchschnittstemperaturen von 34 Grad erfrischt er das Vorankommen doch etwas.

Am späten Nachmittag ist das Oostvoornse Meer erreicht und der Wind nimmt ab es wird unerträglich und ich muss unfreiwillig immer wieder Pausen einlegen. Im Kopf festigt sich der Gedanke Rotterdam noch nicht zu durchfahren. Am späten Nachmittag ist die Luft raus und ich strande kurz vor Rotterdam in der Nähe der Hafenanlagen. Um die Akkus zu füllen gibt’s mehrere Portionen von dem gut frittierten Zeug und ein paar Gläser Cola.

4 Etappe

Früh werde ich wach und verpasse doch irgendwie das losfahren. Klamotten waschen scheint doch wichtiger. Kurz nach dem Start nimmt das Hinterrad einen Stahlnagel mit. Glatter durchstich, der aber mit den neuen selbstklebenden Patches schnell gefixed ist. Als nächstes steht ein Zwischenstopp bei einer Hochbrücke an. Dann geht es ins Industriegebiet vor Rotterdam. Die Luft riecht nicht gut und ich mache nur ein paar Fotos von der Industriehölle. Schnell weiter, auf dem Weg in die Stadt treffe ich einen Pendler der mich auf mein Rad anspricht. Er fragt ob ich was mit dem bald startenden TCR zu tun habe und ich verneine amüsiert. „Nein leider nicht“… Wir tauschen noch etwas TechTalk aus und trennen uns dann wieder. Er hat es eilig ins Büro zu kommen 😉 In Rotterdam angekommen rutsche ich immer tiefer ab in die Lustlosigkeit. Irgendwie bin ich schlapp und ich döse auf Parkbänken vor mich hin. Der Gedanke das Rotterdam einen Bahnhof hat schwirrt sich durch meine Synapsen. Etwas fahre Pause, Pause, Pause, ich hab keine Lust mehr. Ein MCD ist auf der anderen Seite der Straße. Etwas essen und dann ab zum Bahnhof. Nun gut, vielleicht nicht der Beste Plan, aber erst mal was essen.

Mehr als eine Stunde später geht es weiter. Der Bahnhofsspuck ist Geschichte und es geht weiter. Die Innerstadt lasse ich hinter mir und es wird sehr schön, wie man sich die Niederlande vorstellt, kleine Kanäle, alte Boote und Fachwerk. Freude macht sich breit, welch ein Genuss wenn das Rad wieder rollt. Es wird richtig schon, die Dünenlandschaften sind ein Traum. Ich genieße der Flow…

Am späten Nachmittag endet die Etappe auf einem kleinen Zeltplatz in der Nähe von Amsterdam. Klein, gemütlich, familiär mehr braucht man nicht. Der Rauch von Hanfprodukten steht in der Luft, die Gespräche sind gut und der Abend wird lang.

5 Etappe – Kurzhalt in Texel

Früh werde ich wach und nutze die noch angenehmen Temperaturen, gegen Acht geht es los. Nach kurzer Zeit ist der Noordzeekanaal erreicht. Die Fähre lässt nur ein paar Minuten auf sich warten. Hoffentlich gibt es auf der anderen Seite etwas zu essen. Auf der Fähre nutze ich die Zeit um M. anzurufen der auf Texel mit seiner Familie ist. Ich freue mich schon Ihn mal wieder zu sehen. Nach der Fähre muss ich noch etwas fahren bis endlich ein Supermarkt kommt der aber auch Kaffee und frische Brötchen hat. Es geht weiter und die Landschaft wird wieder richtig schön, ich lasse mich treiben und genieße die Natur. Im Naturschutzgebiet steht eine Herde Kühe auf dem Weg. Verdammt haben die großte Hörner. Mir schlottern die Beine aber ich fahre. Nachdem ich die Horde hinter mich gelassen habe fahre ich lange völlig allein. Die Landschaft ist wieder richtig schön, ich checke aber wieder ständig die Restkilometer bis zur Fähre nach Texel. Die Pausen vermehren sich wieder, Schatten ist schön… In Den Helder angekommen fahre ich an einen riesigen Uboot vorbei, es wird wohl ein Marinemuseum sein, das aber nicht auf meiner Agenda ist. Die Fähren fahren eng getacktet und ich muss nicht lange warten. Auf Texel angekommen wartet M. schon auf mich. Die letzten 20 km ziehen sich, Gegenwind. In De Cocksdrop angekommen werde ich freudig begrüßt und wir beschließen zum Strand zu fahren und baden zu gehen. Das Wasser ist p. warm, egal.

6 Etappe – Endstation

In der Nacht hat es geschüttet und ich bin froh nicht in meinem Biwakzelt geschlafen zu haben, noch dazu, da es dann nass wäre und deutliche schwerer zu verstauen. Ich fahre kurz am Supermarkt vorbei und decke mich mit einen BigPack Rosinenbrödchen ein, die ich auf die Arschrakete klemme. Der Regen hat die Luft etwas abgekühlt und mein bester Trainingspartner Meister Gegenwind gesellt sich zu mir. Im Fährhafen angekommen fährt die erste Fähre ab, Mist 1 Stunde warten, ich mache es mir in einem Wartehäschen bequem. Ein paar Minuten dösen verkürzt die Wartezeit. Als mir mein Umfeld wieder bewusst wird merke ich das mehrere Seemöwen sich die Rosienenbrötchen einverleiben und ich verscheuche sie. Anschließend ärgere ich mich. Es wäre doch sicher n schönes Foto geworden, da die Brötchen ja schon fast weg waren.

In Den Heldter angekommen geht es schnell weiter in Richtung Ijsselmeer Damm. Da sich meine verfügbare Zeit dem Ende neigt beeile ich mich und rolle die Gegend nur so ab. Gelegentlich noch ein paar Fotos. Ich merke, bedingt durch die heißen Tage sind die Akku’s leer. Harlingen ist die erste Stadt mit einem Bahnhof, sie wird das letzte Etappenziel sein.

Das Glück ist bei mir und kurz vor dem Damm ist eine dieser Fischbuden die frischen Kibbeling verkauft. Es schmeckt lecker, Portion für Portion für Portion. Dann geht es auf dem Damm. Für mich sollte es eines der Highlights der Reise sein. Auf dem Weg stelle ich mir dann aber die „Warum“ Frage. Es geht monoton geradeaus, der Damm links und die Autobahn rechts. Es wird wieder Zeit für den Musik Joker. „Sportfreunde Stiller – Raus in den Rausch“ wie schön. In der Mitte dann eine Aussichtsplattform, wie schön Meer – Damm – Autobahn – Meer.. Es geht weiter, ich möchte heim. Kurz hinter dem Damm gibt es eine Tanke in der es Flutschfinger und Zitronen Limo gibt. Sie ist wunderbar runterklimatisiert und ich ruhe mich etwas aus. Es beginnt der kurze Endspurt nach Harlingen. Direkt am Hafen ist der kleine Bahnhof, mein Zug fährt in einer Stunde und ich beschließe mir den Ort etwas anzuschauen. Ein großes Eis und ein paar Fotos später geht es nach Köln zurück. Hier verlässt mich mein Glück und das Bahnabenteuer beginnt. Spät am Abend erreiche ich Stommeln und bin überglücklich wieder bei meiner Familie zu sein.

Packliste

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